Philosophie
Pädagogisches Rahmenkonzept
Pädagogisches Rahmenkonzept
Die pädagogische Arbeit in der Einrichtung kann wohl am ehesten als ökologisches Lernen bezeichnet werden. Das ökologische Lernen (denkende und handelnde Auseinandersetzung mit ökologischen Problemen) wird um Elemente aus erlebnisorientierten Ansätzen und der Ästhetischen Erziehung erweitert. Bei den angewandten Methoden geht es um die Elemente Individuum/Gruppe/Natur, wobei die Schwerpunkte in den einzelnen Ansätzen unterschiedlich sind. Bei der Erlebnispädagogik steht der Mensch als Einzelwesen und Teil der Gruppe im Mittelpunkt, und Natur bildet den Rahmen für das Erleben. Beim ökologischen Lernen dagegen steht das Verhältnis Mensch-Natur im Mittelpunkt, die Natur selber ist Erfahrungsquelle, Lernfeld und Vorbild.
Das Erlebnis dient als Mittel. Die Ästhetische Erziehung und somit die Sensibilisierung der Wahrnehmung schafft hier die Voraussetzung zur Aneignung der Wirklichkeit und deren Reflexion . Wir versuchen mit Hilfe dieser pädagogischen Ansätze wieder eine Beziehung zwischen Natur und Mensch herzustellen. Deutlich gemacht werden muss, sich der Mensch nicht zwischen materiellem Wohlstand und einer intakten Natur entscheiden kann, sondern dass zwischen dem Menschen, seiner zivilisatorischen Umwelt und der Natur vielfältige Zusammenhänge und Abhängigkeiten bestehen. Dabei geht es nicht nur darum, Informationen weiterzugeben oder Biologisches anschaulich zu machen, sondern möglichst ganzheitlich überschaubare, konkrete Modelle darzustellen, zu erproben und für sich (Individuum) und mit anderen (Gruppe) zu erleben.
Die Vermittlung der Kenntnisse verläuft also nicht mehr im verbalen Seminarstil, sondern durch die tätige Auseinandersetzung mit Aufgaben und Problemen.Kinder und Jugendliche müssen Natur erleben bzw. die Begegnung muß zum Erlebnis werden. Aussagen wie: “Ich hab heute was Tolles erlebt”, zeugen von einer besonderen Anteilnahme der Persönlichkeit an Situationen oder Ereignissen, verbunden mit starken Erinnerungen. Felix Novak definiert Erlebnis wie folgt: “Bewußt werden, Gewahr werden, Inne werden von körperlichen und seelischen Zuständen. Es handelt sich dabei um psychische Vorgänge, meist gefühlsmäßiger, affektiver Art, von besonderer Unmittelbarkeit und Einmaligkeit.” (vgl. Novak/Keller: Kleines pädagogisches Wörterbuch 1979) Hier wird der Bezug zum erlebnispädagogischen Ansatz deutlich. Erlebnisorientierten Ansätze schaffen in der Kinder und Jugendarbeit Situationen und unterstützen Prozesse, die es den TeilnehmerInnen ermöglicht, sich durch unmittelbares eigenes “Er-leben” neue Bereiche zu erschließen, Kenntnisse zu erlangen und Erfahrungen zu machen. Diesen Ansätzen ist das Ansprechen der Sinne und emotionaler Kräfte des Menschen gemeinsam. Das “Sich-Einlassen” auf sinnenhafte Erfahrungen ist gegenüber der Förderung von Kognition, Wissen und Rationalität dominant, wobei im gesamt-pädagogischen Konzept die rational-kognitive Dimension nicht auf Dauer außer Acht gelassen werden darf. (Vgl. Karl Helmer: Praxisfeld Jugendarbeit, in Pädagogik, Grundlagen und Arbeitsfelder 1992).
Angelehnt an das animative Didaktikmodell von Horst W. Opaschowski sehen wir die Tätigkeit des Sozialpädagogen in unserer Einrichtung vor allem von der Grundform sozialpädagogischen Handelns, dem “Animieren” bestimmt. Er muß nicht in erster Linie Probleme lösen, sondern die TeilnehmerInnen anregen und ermutigen.
Sich selbst und die anderen zu verstehen.
Für sich und auch gemeinsame Ziele zu setzen.
Bewußt wählen und entscheiden können.
Vertrauen in selbstinitiierte und selbstgelenkte Handlungen zu gewinnen.
Der Sozialpädagoge (Animateur) schafft eine positive Basis für die Klärung von Entscheidungen und kommunikativen Handlungsabläufen sowie für die Freisetzung kreativer und sozialer Kräfte. (vgl. H. W. Opaschowski: Methoden der Animation, 1981) Selbstbestimmte Freizeitgestaltung, sich z.B ohne elterlichen Schutz mit Gleichaltrigen treffen, in einer naturnahen Umgebung experimentieren, spielen, Erfahrungen sammeln ist nur noch wenigen Kindern möglich. Darum rückbesinnen wir uns in unserer Arbeit auf Grundbedürfnisse von Kindern nach kreativer Gestaltung eines eigenen Lebensraumes, nach Entdeckung ursprünglicher Materialien, nach einem Übungsfeld für soziale Begegnungen. Kinder sollen durch Bereitstellung von Handlungsräumen und Materialien Gelegenheit erhalten, die eigenen Kräfte und Möglichkeiten experimentierend zu erfahren. Hier sind die sogenannten Aufforderungsreize bestimmter Objekte, welche auf die Grundbedürfnisse von Menschen treffen, von Bedeutung.
Als wesentliche Aufforderungsreize sind zu nennen:
* Holz: Sägen, Nageln, Bauen;
* Wasser: Matschen, Planschen
* Feuer: Kokeln, Verbrennen, Rösten, Grillen;
* Erde: Pflanzen, wachsen lassen, Gartenarbeit;
* Tiere: Pflegen, Streicheln, für sie sorgen.
Aber auch das Sozialsystem mit der Begegnungsmöglichkeit mit anderen Kindern, mit der Auseinandersetzungsmöglichkeit über Ziele, Programme und Zuwendung der BetreuerInnen kann als Aufforderungsreiz gesehen werden. Die Rolle des Sozialpädagogen ist hier, dass Er den Kindern zur Verfügung steht als:
Anbieter von Materialien und Begegnungsräumen
Ratgeber und Helfer
Orientierungshilfe mit eventuell durchaus abweichenden Vorstellungen über Sozialverhalten, Materialnutzung und Wertverständnis. (Vgl. K.Helmer 1992) Als pädagogische Mittel stehen uns die in der Einrichtung lebenden Tiere, der Garten und das Freigelände zur Verfügung.